Joining Forces-Sampler
MP3-CD, 2004

Warum nicht auf die computerisierte Zeit reagieren und einen MP3-Sampler herausbringen? Das Teil kostet, inkl. Porto 8 EUR und erspart eine Menge Herunterladerei und besonders die Sucherei nach interessanten Bands. Hier gibt es 36 Bands am Stück mit einem digitalen Booklet, welches von jeder Band ein Foto, die Kontaktmöglichkeiten und den Text des vertretenen Liedes enthält. Von einigen Bands gibt es Video-Clips, die allerdings mein Computer und sogar der DVD-Spieler verweigerten. Zum Softwarerunterladen war ich zu blöd und hab' die Geduld verloren. Dann gibt es noch ein paar andere Artwork-Geschichten und Wallpapers, die ich nicht so interessant finde, die aber trotzdem sehr gut aussehen. Sehr gut ist die Dreingabe eines Tools zum Umwandeln der MP3-Dateien in WAV-Dateien, damit man sich eine CD für den Normal-Spieler brennen kann. Alle hier aufgezählten Dinge lassen sich auch ohne weiteres in Sekundenschnelle finden und öffnen, was meine Skepsis bezüglich MP3-CDs weit sinken läßt.
36 Songs und kein wirklicher Totalausfall dabei, wenn auch diverser Durchschnitt (seltsamerweise nur aus dem Death Metal-Bereich) und etwas wirres Zeug, wo die Bands mit den Eigenständigkeitsversuchen etwas über's Ziel hinausschießen. Zu den Münchner Bands gibt es auf dieser Website genug zu lesen. Erwähnt sei hier nur, daß Armistice und Commander mit neuen Stücken vertreten sind, die so ausgefallen sind, wie ich es erwartet oder erhofft habe. Dazu gibt es in näherer Zukunft sowieso eigene Reviews. Und über Desaster, Witchburner und Protector werde ich mit Sicherheit auch kein Wort verlieren.
Bleiben schon bloß noch 28 Songs, die es näher zu beleuchten gilt. Wer daran Interesse hat, kann ja weiterlesen. Dem Rest sei nur noch gesagt, daß Joining Forces uneingeschränkt unterstützenswert ist, auch wenn dieser Sampler hauptsächlich die extremere Szene anspricht. Allerdings gibt es da ja auch derzeit die meisten Bands.
Soulgate spielen eine Mischung aus melodischem Schweden-Death und Heavy Metal, die man aber kaum beschreiben kann. Nicht uninteressant. Das erste Highlight kommt von Laid In Ashes. Die bieten schnellen Death/Thrash. Der Song fetzt wie Sau und ist super aufgebaut. Der Gesang wechselt geschickt zwischen tiefem Grunzen und Thrash-Stimme, während das Riffing eher im Thrash bleibt. Die passenden Breaks sind dann eher vom DM, bremsen aber überhaupt nicht. Nicht originell, was aber völlig egal ist wenn es derart knallt. Thargos klingen hier gar nicht mehr so Sodom-artig sondern black-thrashen richtig geil fies vor sich hin. So muß sich diese Musik anhören, wird aber wahrscheinlich nach 5 Songs langweilig. So etwas ist vor allem Live-Musik.
Marooned beginnen wie eine Doom-Band, wandeln sich aber dann in eine astreine Death/Thrash-Band, die hier einen sehr abwechslungsreichen und trotzdem killenden Song abgeliefert hat. Sogar die Melodie kommt nicht zu kurz. Der Ursprung Marooneds' ist sicher der DM, aber mit solchen Liedern könnte sich die DM-Szene definitiv endlich etwas vorwärtsbewegen. Paniczone tummeln sich irgendwo in der Bolt Thrower-Ecke und haben immerhin ein starkes, überraschendes Break anzubieten. Über die sehr guten Verdict könnt Ihr ein Review in der Abteilung "Auswärtige" finden. Der Samplerbeitrag stammt auch vom aktuellen Album.
Invoid sind ein erneuter Höhepunkt. Simpler sauschneller Thrash-Core der reinhaut, daß es schmerzt. Anders ist es da dann bei Incredible Pain. Ebenfalls ein absolutes Highlight und dabei kein Death oder Thrash. Ein Metal und Rock'n Roll-Einfluß ist schon dabei; genausogut kann der Song aber auch in der Düster-Ecke gefallen finden. Sollte man sich gründlich anhören. Davidian gefallen mir als Thrash-Fanatiker natürlich besonders gut, mit ihrem an die ersten beiden Grinder-Scheiben und etwas alten Metallica angelehnten Song. Ist aber keineswegs verstaubt, sondern absolut frisch und einfach vom Feinsten. Und es klingt auch nicht nach Machine Head, wie man aufgrund des Bandnamens denken könnte.
An Contradiction's groovigem, mitte der 90er recht modernen Mid Tempo-Thrash hat sich in über 12 Jahren nie viel verändert. Warum sollte das hier anders sein? Kommt aber immer wieder ganz gut. Crikey bilden einen Bastard aus Grind/Death und neueren Dimmu Borgir mit entsprechendem Keyboardeinsatz und sogar einer Rage-Gesangslinie. Ob das nötig ist, sollen die Leute entscheiden, denen das gefällt. Da kommen wir doch besser gleich zum nächsten Hit, gespielt von Reviolence, die ein sehr interessantes und flottes Gemix aus gemäßigtem Death und Heavy Metal anbieten. Hoffentlich bekommen die ein komplettes Album auf die Reihe, was das hält, was "Zero Of Me" verspricht. Dann haben wir wieder eine Band, die sich nicht in einer Sackgasse befindet. Unscared spielen ebenfalls wieder guten Thrash, der sich bei alten Superhelden wie Violent Force und Darkness wohlfühlen könnte. Etwas holprig vielleicht, was aber bei Assassin auch niemanden stört.
Debauchery sind für mich gewöhnlicher Death ohne Höhepunkte oder Niederlagen. Das Zeug hat genug Fans und braucht mich nicht auch noch. Ebensowenig wie mich Reap brauchen. Neuerer Sepultura-Sound spricht mich nicht an. Das Lied läßt sich aber aushalten. The Unchallenged klingen hier sehr Thrash-lastig, rangieren aber unabstreitbar im Bereich der letzten Death-Platten und erweisen sich Chuck als würdig. Starke Band, was sie ja auch schon in München live bewiesen haben.
Path Of Golconda zocken sehr schnellen Death/Thrash in Richtung uralte Malevolent Creation. Allerdings zwischendurch mit nervigem Schrei-Gesang und komischen Breaks. Dysentery kommen da gleich viel interessanter. Kein reiner Schweden Death, aber zum Großteil, der mich Sekundenweise an Mekong Delta erinnert, besonders am Anfang. Hat aber ein oder zwei Parts zuviel, dieser Song. Exotherm ist super, sollte sich aber bitte jeder selbst anhören. Ich kann's nicht einordnen. Desilence haben einen guten Speed/Thrash-Song eingespielt, der mich einiges erhoffen läßt. Paßt gut zwischen alte Metallica und neuem Schweden Death oder so. Stillbirth können sich nicht einigen zwischen Death Metal und, mal wieder, Chaos A.D.-Sepultura. Auch Hanagorik haben diesen Einfluß. Hier aber überdeutlich. Nicht schlecht, nur verwenden sie diesen viel zu oft benutzen Groove, was doch inzwischen wirklich nicht mehr sein muß. Dann kommen Hate Factor mit einer gewöhnlichen aber immerhin recht heftigen, Ami-Death-Nummer. Ich mußte von so einem Zeug zuletzt genug live sehen und habe da keinen Bock mehr drauf.
Dann lieber Soulles Heart. Eine Heavy Metal-Band, die Sodom/Kreator-artigen Gesang verwendet. Vielleicht kann man es dadurch auch als gemäßigten Thrash bezeichnen. Gutes Lied, wenn auch etwas gesichtslos und dennoch gewöhnungsbedürftig. Runamok haben auch etwas an sich, was mir gleich gefallen hat. Irgendwie haben die das, was Rage vor 10 Jahren verloren haben: Frische und Rauheit. Hoffentlich können die das beibehalten. Scornage spielen Pro Pain-beeinflußten Thrash, der schön angriffslustig aus den Boxen quillt. Warum diese Band laufend in der DM-Ecke angesiedelt wird, ist mir schon ein Rätsel. Das Zeug dürfte live gewaltig drücken. Ein guter, aber auch wieder gewöhnlicher Death/Thrash-Song mit Melodien aus dem schwedischen Melodic Death kommt von Unleash Hell. Und ein kleines bißchen scheinen die auch in die Chuck Schuldiner-Richtung zu schielen, was aber nicht ganz klappt. Chronicle Of Tyrants bedienen dann noch die Hypocrisy-Fraktion, die die Band erst nach ihrer dritten Scheibe mag. Und das machen die wirklich anhörbar.

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